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Category: Uhren (page 1 of 4)

Universal Genève Compax 1950, Ref. 884.480

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„Ich begrüße heute Herrn Schneider bei mir. Herr Schneider hat sich eine Uhr gekauft und natürlich möchte ich, und auch die Leser dieses Blogs möchten das, ganz genau wissen, wie dieser nicht alltägliche Vorgang denn so ablief. Guten Tag, Herr Schneider.“

„Guten Tag.“

„Herr Schneider, was hat Sie denn dazu bewogen, diese Uhr zu kaufen? Welche Gründe waren sozusagen entscheidend dafür, dass Sie, ich will es mal salopp formulieren, dass Sie also dachten: ‚Ach Mensch, ich kauf mir jetzt diese Uhr‘. Haben Sie lange mit sich gerungen? Was ging Ihnen dabei durch den Kopf? Möchten Sie mir das kurz erzählen?“

„Eigentlich nicht.“

„Äh. Gut. Aber der Kauf an sich, Herr Schneider, das war doch sicher so ein magischer Moment, nicht wahr? Vielleicht bei einem dieser sagenumwobenen Konzessionäre, mit Champagner und leiser Musik, so stelle ich mir das zumindest vor, bitte korrigieren Sie mich, wenn ich da falsch liege. Und dann reicht man Ihnen die Uhr und der Juwelier trägt diese weißen, baumwollenen Handschuhe und es liegt ein Zauber des Besonderen in der Luft und alle Menschen sind so wunderschön, entschuldigen Sie, ich bin offenbar ein wenig erregt. Wie war das also genau? Das interessiert unsere Leser.“

„Eher profan.“

„Ach. Aber dann kommt natürlich der Moment, ganz zwangsläufig kommt der und man hat ja auch lange darauf hingearbeitet, man hat sozusagen, und das sage ich jetzt mit einem Augenzwinkern, man hat also einiges investiert, wenn Sie mir diese Doppeldeutigkeit erlauben, Herr Schneider. Und dann kommt er also, dieser Augenblick, in dem man die Schachtel öffnet, und die Uhr dann zum ersten Mal anlegt. Was ist das für ein Gefühl? Muss ich mir das als Euphorie vorstellen, als eine große Ekstase, einen alles und jeden überwältigenden Rausch? Oder ist es eher ein Moment der Kontemplation, ein mönchischer Zustand, in dem man ruht, ganz bei sich selbst und von stiller Zufriedenheit durchströmt? Wie fühlt sich das an?“

„Pffff.“

„Nun ja. Dann kommen wir doch mal zur Uhr, Herr Schneider. Sie ist…“

„Gut dass Sie fragen, vielen Dank. Universal Genève ist ja ein Name, bei dem Vintagefreunde erhöhten Speichelfluss bekommen. Altehrwürdig im wahrsten Sinne (1894 gegründet), eine echte Manufaktur, lange auf Augenhöhe mit den anderen Luxusherstellern. Man schreibt sich die Erfindung des ersten Armband-Chronographen zu (Ob’s stimmt? Keine Ahnung.), hielt das Patent auf einen Microrotor und produzierte in den Sechzigern das dünnste Automatikwerk der Welt. Es waren aber vor allem die Chronographen, die seit den Dreissigern den Ruhm der Firma begründeten, die ‚Compaxe‘, wie UG sie nannte. Technische und vor allem optische Leckerbissen, die heute hoch gehandelt werden. In den Achtzigern kam UG bei einer chinesischen Holding unter und entging so der Pleite. Mitte der Neunziger legte UG eine Reedition der Compaxe auf.

Aus dieser Serie stammt auch die gezeigte Uhr. Sie gehört zu den elegantesten, die ich besitze. Klassisch, aber nicht altmodisch. Mit 37mm Durchmesser hat sie sicher keine zeitgemäße Größe, ist aber für meine Arme perfekt. Und dann die Details: Das dreidimensionale Zifferblatt. Die goldfarbenen, applizierten Indizes. Die Dauphinzeiger. Und alles überwölbt von diesem wunderbaren Plexi und umrahmt von einer polierten Riffellünette. Hach.

Innen drin findet sich ein guter Bekannter. Universal Genève nennt das Werk ‚UG 84‘, es ist aber ein Lemania 1873, das bewährte Moonwatch-Kaliber. Und es läuft ganz hervorragend, bei mittig stehendem Rückerzeiger mit 10 Sekunden im Plus und ordentlicher Amplitude. Das ist schön.

Weniger schön als diese Uhr ist leider der Zustand, in dem sich die Firma gerade präsentiert. Auf der Website (die nur mit Flash funktioniert) wurden seit acht Jahren keine neuen Uhren mehr vorgestellt. Der aktuelle Katalog, der die Vergangenheit der Firma noch einmal in beeindruckender Weise vor Augen führt (für den quadratischen Uni-Compax von 1936 würden manche Menschen töten!) datiert von 2007. Auch die letzte Wortmeldung von 2010, die von einer “reorganisation period” spricht, klingt eher bedenklich. Die Vertriebsaktivitäten beschränkt man ohnehin seit langem auf Hong Kong und Macau. Keine guten Aussichten für Freunde dieser Marke.“

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Als der Stahl noch billig war: Titan Diametronic (ESA 9158) von 1975

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If the next wristwatch you buy isn’t powered by electricity, you’re bucking a powerful trend” schreibt die Zeitschrift Popular Science vom August 1969, und das möchte ich nun wirklich nicht, mich einem Trend entgegenstellen. Also folge ich dem Rat der Experten. Ist ja auch irgendwie unvollständig, so eine Sammlung von Siebzigerjahre-Uhren ohne zumindest ein Exemplar mit elektromechanischem Antrieb.

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[Hier bitte noch billiges Wortspiel mit "Uhr abgelaufen" einfügen]

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Dass der (Noch Ex-)VW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Martin Winterkorn Uhren sammelt, ist ja nichts Neues. Und nicht nur schöne Uhren wie unsereins, sondern vor allem teure, was bei einem Jahresgehalt von 15,9 Millionen Euro (2014) niemanden überraschen muss. Anders als vergleichbare Spitzenverdiener geht er offen mit seiner Leidenschaft um und achtet bei offiziellen Fotos sehr darauf, dass die Manschette richtig sitzt und das geneigte Publikum einen Blick auf sein Handgelenk erhaschen kann. Darum ist es auch recht ergiebig, die im Netz verfügbaren Fotos auszuwerten. Nach ein bisschen Recherche traue ich mich zu behaupten, dass Winterkorns Sammlung mindestens die folgenden Stücke umfasst (Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen):

  • A. Lange & Söhne Datograph Big Date Flyback Chronograph Platin Ref. 403.035 (Listenpreis $78,500)
  • A. Lange & Söhne Lange I Platin Ref. 101.025 ($49,500)
  • Patek Philippe Nautilus Chronograph Ref. 5980/1A-001 ($51,000)
  • Rolex Oyster Perpetual Day-Date, Chronometer Platin Ref. 118206 ($57,600)
  • Rolex Oyster Perpetual Explorer II Ref. 16570 ($7,200)
  • Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona Steel Ref. 116520 ($12,000)
  • Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona Black DLC Ref. 116520 (Listenpreis nicht bekannt, mind. $13,000)
  • Dazu noch mindestens drei weitere Uhren, die ich nicht identifizieren konnte.

Da sind schon schicke Teile dabei. Und besonders praktisch: Alle rein mechanisch. Laufen gänzlich ohne Software. Und deshalb auch am Handgelenk genau so zuverlässig wie in der Werkstatt.

Vorher-Nachher-Bilder: Eine Anker aus den Siebzigern

Auf Flohmarkten ignoriere ich meist die Verkäufer, die ihre Uhren als schicke Kostbarkeiten in Vitrinen präsentieren, denn deren Preise will ich nicht zahlen. Stattdessen schaue ich auf die Wühltische und in die Ramschkisten. Wahre Schätze findet man dort zwar selten und der Zustand des zutage Geförderten ist in der Regel erbarmungswürdig, aber genau darauf habe ich es abgesehen.

Da wäre zum Beispiel diese Automatikuhr der Marke Anker aus der Uhrenfabrik Wilhelm Eppler GmbH in Schwenningen. Typisches Siebzigerjahredesign. Jämmerlich zerkratzt, aber das macht nichts: Gehäuse und Band sind aus Edelstahl, das Glas ist ein Plexi – alles prima polierbar, mit den richtigen Werkzeugen und Mittelchen.

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