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Mit der Submariner gelang Rolex 1954 der große Wurf: Eine Taucheruhr, die zur Designikone wurde und bis heute eine ist, was sicher auch dem genialen Marketing der Firma geschuldet war: In zahlreichen James-Bond-Filmen wurde sie prominent platziert, weitere berühmte Werbefiguren sind hier versammelt. Die Wiedererkennbarkeit dieses Modells ist hoch, gleichzeitig ist das Schmuckstück enorm wandlungsfähig – es gibt Varianten in zahlreichen Farb- und Materialmixen, und am bunten NATO-Strap macht die Uhr eine genauso gute Figur wie am Edelstahlband. Auch technisch war die „Sub“ für die damalige Zeit weit vorn. Interessante Details lassen sich unter anderem hier nachlesen.

Mit der Eigenständigkeit ist es schon seit geraumer Zeit vorbei, denn der Gebrauchsmusterschutz ist natürlich längst erloschen und die Nachahmer sind entsprechend zahlreich. Es kann sich eben lohnen, an einem Mythos zu partizipieren. Und so finden wir das Design in Plastik für 6,99€ bei Aldi ebenso wie in hochpreisig von diversen Schweizer Manufakturen. Und auch Rolex selbst hat Design, Technik und Materialien kontinuierlich weiterentwickelt und bietet das Modell noch immer an.

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Natürlich kaufe ich keine Rolex, aus zum Teil sehr naheliegenden Gründen. Aber eine Uhr im Submariner-Stil, eine Hommage, wie es abfällig heißt, wollte ich schon ganz gerne. Allerdings hatte ich da drei Wünsche, die nicht leicht zu vereinbaren waren: Wasserdicht sollte sie sein. Selbstverständlich bei einer Taucheruhr, meint man. Ein Automatikwerk sollte sie haben, und zwar ein zuverlässiges. Und der Preis war auch nicht ganz unwichtig.

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Und da begannen die Probleme: Viele der preiswerten Exemplare sind gerade mal spritzwassergeschützt. Das Niedrigpreissegment wird von Quarzern und Automatikuhren fragwürdiger chinesischer Herkunft dominiert. Und Uhren mit ordentlichen Schweizer Werken kosten schnell mal ein paar hundert Euro.

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Aber zum Glück gibt es Invicta, eine altehrwürdige, ehemals Schweizer, seit den Neunzigern jedoch US-amerikanische Marke. Invicta hat eine Vielzahl von Sub-Hommagen im Sortiment, in allerlei Farben, Größen und Ausstattungsvarianten. Seit einigen Jahren gibt es bereits das Modell 8926, das, wenn man in die einschlägigen Foren schaut, eines der beliebtesten Modelle dieser Marke sein dürfte. Allerdings war zuletzt eine verwirrende Anzahl von Modellvarianten zu beobachten, mit verschiedenen Lünettenbauformen und diversen Werken (Miyota 8215, NH25A, NH 35A), so dass wohl auch so mancher Händler die Übersicht verlor: Man las häufiger von Fehllieferungen.

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Das hier gezeigte Modell 17044 scheint der offizielle Nachfolger des 8926 zu sein, angetreten, um dieses Wirrwarr zu beenden. In Europa ist es derzeit noch schwer und nur mit deutlichem Preisaufschlag zu bekommen. Ein Bildervergleich im Netz lässt zumindest ein identisches Gehäuse vermuten (auch wenn auf manchen Bildern die Hörner etwas kürzer scheinen. Vielleicht eine Frage der Perspektive). Auch Ziffernblatt, Zeigerspiel, Armband und das Mineralglas mit Datumslupe sind identisch. Sehr schön: Die griffige Riffellünette, mit 120 satten Klicks linksdrehend. Die war mir wichtig. Die Krone ist verschraubt, anderweitige Angaben bei diversen Anbietern sind falsch. Ebenso falsch wie die oft angegebene Bauhöhe von angeblich 10mm: Stattliche 14mm sind es stattdessen. Mit 40mm Durchmesser hat die Uhr die für mich perfekte Größe. Natürlich ist der Bling-Bling-Faktor aufgrund der polierten Mittelglieder, der Lünettenriffelung und der eingefassten Indizes recht hoch. Das muss man mögen, ebenso wie die auffallende Gravur an der linken Gehäuseflanke.

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Mehr als nur akzeptabel ist das verbaute Werk, ein Kal. SII NH35A. Ein „Japan Movement“ sei es, sagt der Ziffernblattaufdruck, und das stimmt irgendwie auch, denn das NH35A ist baugleich mit dem Seiko 4R36 und es wird von Time Module, einer Firma der Seiko Group, gefertigt. Aber eben in Hong Kong. Das ist nichts Ehrenrühriges, und tatsächlich hat das Werk zu Recht einen ausgesprochen guten Ruf: Es ist unglaublich leise, kommt mit Sekundenstopp und 21.600 Halbschwingungen daher und zeigt bei mir aktuell eine sehr annehmbare Abweichung von -3s/d. Und die Genfer Streifen des Rotors sind hinter dem Glasboden ein ebenso überflüssiges wie schönes Detail.

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Fazit: Große Begeisterung. Und dass ich, inklusive des Versands aus den USA und den fälligen Einfuhrabgaben, weniger als 100 € für die Schönheit gezahlt habe, mag man kaum glauben. Ist aber so.

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