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Projektthema: Sektion eines philiströsen Habitats im Kontext literarischer Narration. Aus invarianter Position einen Quadranten räumlich überstreichend, dabei Oberflächen sukzessive ablösend, werden arbiträre Alltagsobjekte in den Kunststatus transferiert. Die granulare Monochromatik der Arbeiten ermöglicht dabei eine kontemplative Ästhetik neuer Form. Hegels Befund, die Kunst könne “unser letztes Bedürfnis nicht ausfüllen”, wird so kongenial infrage gestellt. [1]


[1] Da saß ich also in der Sofaecke und schaute den Bachmannpreis und dachte, als es etwas langweiliger wurde: Nimmste mal die alte Kamera, schnallst das Superzoom davor, stellst ISO auf 1600 und schaltest den Schwarzweißmodus ein. Und dann kuckste mal, was du so knippsen kannst in diesem halb aufgeräumten Wohnzimmer, ohne deinen Platz zu verlassen. Tja, und dann kommt sowas bei raus.

Lügen für die gute Sache

Auf Twitter und in vielen (überwiegend griechischen) Blogs wird gerade dieses Bild herumgereicht:

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Dabei soll es sich um ein Foto von der Londoner Schuldenkonferenz 1953 handeln, auf der der Bundesrepublik Deutschland 50% ihrer Auslandsschulden erlassen wurden. Auf dem Foto unterschreibt Konstantinos Karamanlis die Vereinbarung gerade für Griechenland.

Ein Bild mit riesiger Symbolkraft. Wenn es denn stimmen würde.

Denn: 1953 war Konstantinos Karamanlis noch nicht griechischer Premierminister, sondern Minister für Öffentliche Arbeit. Unwahrscheinlich, dass er in dieser Funktion an diesem Ort neben Adenauer gesessen hätte, mit dem Stift in der Hand.

Ich habe keinen sicheren Beleg für die Herkunft dieses Fotos, aber eine plausible Vermutung. Und ich würde mich freuen, wenn jemand mit mehr Recherchekompetenz als ich diese Vermutung bekräftigen oder widerlegen könnte. Sie stützt sich auf diese Quelle:

MEILENSTEINE DEUTSCH–GRIECHISCHER BEZIEHUNGEN
Herausgegeben von Wolfgang Schultheiß und Evangelos Chrysos
STIFTUNG FÜR PARLAMENTARISMUS UND DEMOKRATIE DES HELLENISCHEN PARLAMENTS

Dort lesen wir auf Seite 264:

“Ein großer Erfolg für Griechenland auf wirtschaftlicher Ebene war der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis in Deutschland (10-12. November 1958), der seitens der griechischen Regierung ungeduldig erwartet worden war, da sie sich von diesem Besuch eine Stärkung ihrer innenpolitischen Position versprach. Aufgrund der Anerkennung der griechischen Bemühungen, die zu einer Stabilisierung der Wirtschaft geführt hatten, und angesichts der Bedeutung, die der Wiederaufbau der griechischen Wirtschaft für Europa selbst besaß, versprach der deutsche Kanzler dem griechischen Ministerpräsidenten die Gewährung eines Kredits in Höhe von 200 Millionen Mark zur Realisierung von Infrastrukturprojekten in Griechenland. Ferner stimmte die deutsche Regierung Investitionen in Form von Güterlieferungen in Höhe von 100 Millionen Mark zu (mit der Aussicht, dass sich dieser Betrag für die Vollendung konkreter Projekt auf insgesamt 400 Millionen Mark erhöhen werde). Zudem wurde vereinbart, dass die deutsche Seite zusätzliche Gelder für die Finanzierung technischer Hilfe an Griechenland zur Verfügung stellen würde.”

Was für eine Ironie, wenn sich diese Vermutung bestätigen würde.

Das muss man sich mal vorstellen!

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Flohmarktfund: Populäre Mechanik, Januar 1959.

Als E-Commerce noch in kleinen finnischen Clubs stattfand.


Nachtrag: Bei Google Books habe ich das amerikanische Original gefunden. Und man bemerkt mit Staunen, dass es nachlässige, sinnentstellende Übersetzungen in Zeitschriften auch schon vor einem halben Jahrhundert gab.

popmech

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