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Challenge accepted: Seiko DX, Kal. 6106, aus Juni 1971

Naja, denke ich. Ein bisschen schleifen und polieren. Keine große Sache. Und dann öffne ich den Bodendeckel.

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Niemals zuvor hatte ich eine solche Uhr auf dem Tisch. Aber man wächst ja mit den Herausforderungen. Also Luft anhalten und zunächst den gröbsten Dreck entfernen, bevor das Werk aus dem Container kommt.

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Es folgen drei Durchläufe im Ultraschallbad und eine Intensivkur mit Dr. Best Extrahart.

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Das sieht ja schon viel besser aus, nicht?

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Das Gehäuse kann man so aber nicht belassen. Also flugs den Schraubstock gespannt, die Schleifschwämme hervorgekramt und die Sonax Chrom- & Alupaste auch. Handarbeit ist angesagt. Ziel: den Längsschliff auf der Oberseite beibehalten und die seitlichen Flächen polieren. Kanten sollen dabei Kanten bleiben. Ob’s funktioniert hat, sehen wir später.

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Bei einer derart gerockten Uhr zeigt sich die Genialität der Gehäusekonstruktion in besonderem Maße: Ziffernblatt und Werk sind praktisch makellos. Dass das Kal. 6106 auch nach 41 Jahren läuft wie eine Eins, muss ich wohl nicht erwähnen. Seiko eben.

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Und das Ergebnis? Das kann sich sehen lassen, wie ich finde. Das Band ist noch nicht die finale Lösung. Und ja, es ist dieselbe Uhr:

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Categories: Uhren

Derbe » « Links am Sonntag: Alles in der Schwebe

11 Comments

  1. Fantastisch! Ich kann ihre Begeisterung verstehen! Die Kratzer im Glas, wie wurden die entfernt?

    Daran angelehnt eine Spezialistenfrage: Habe einen interessanten Sperrmüllfund aus einer Zahnarztpraxis, einen Edelstahlzylinder mit einem Längsschlitz, darunter ein Plexiglaszylinder. Beide reichlich mitgenommen. Haben sie mir einen Tip, besonders für das Plexiglas?

    • Vielen Dank. Die Kunststoffgläser bearbeite ich erst mit Schleifpapier in immer feinerer Körnung, am Ende mit kreisenden Bewegungen und abnehmendem Anpressdruck, bis die Fläche homogen milchglasartig und frei von Kratzern ist (was bei sehr tiefen Scharten nicht immer gelingt). Dann wird mit Polywatch (gibts bei Ebay) poliert. Edelstahl mit der genannten „Sonax Chrom- & Alupaste“ mit viel Kraft und Geduld. Perfekt wird’s damit nicht, aber mit dem Dremel bin ich noch nicht routiniert genug. Den Schliff kann man gut mit einer Nagelfeile oder einem Schleifschwamm nachziehen.

    • Ach, jetzt scheint meine Antwort verloren gegangen zu sein. Hatte noch auf eine Polierpaste hingewiesen, die ich von der Firma Biostein (.com) benutze. Das ist eine Art (Schlämm-)Kreide. Geht besonders für Edelstahl sehr schön.

  2. WOW … wieder mal eine sehr gute und liebevolle Arbeit !
    Ich weiß nicht wie ich deinen Blog gefunden habe, freue mich aber sehr das ich ihn gefunden habe.
    Werde gerne hin und wieder reinschauen und hoffe auf einige tolle kurzweilige Vorstellungen
    wie „in früheren Zeiten“!
    Klasse (!) … das du die Begeisterung für „olle Ticker“ nicht verloren hast (hatte da schon Befürchtungen) und wünsche weiterhin viel Freude bei der „Jagd“.
    😉
    Gruß
    EnabranTain (Bernd)

  3. Sir watchmanns dog

    26. November 2013 — 21:23

    … habe den Link von meinem Sohn bekommen, ansons nicht mein Ding. Als Sohn eines Uhrmachers (selber keiner, nur zur Not) und ein bischen Erfahrung mit alten Schätzchen, kann ich nur sagen: FAKE sprich – plumpe Bildtrickserei. Wie , na-ja , machmal Zeitumkehrung beim Knippsen, oder wo bleibt ein Bild vom geöffnetem Gehäuse/Werk vor der „wunderbaren Verjüngungsaktion“ ?! Eigentlich soll mir das ganze egal sein…. so long Kollega`s im Glauben … !!

    • Mist. Jetzt ist der ganze Schwindel aufgeflogen. Sie haben natürlich Recht mit Ihrer Zeitumkehr-Vermutung. Tatsächlich habe ich die perfekt erhaltene Uhr vom letzten Foto zunächst mal sorgfältig zerkratzt und zerlegt, dann eine leckere Paste aus Schweiß, Hautschuppen und Haaren angerührt, in alle verfügbaren Ritzen geschmiert und zwei Tage trocknen lassen. Dann erst habe ich die angeblichen Vorher-Fotos gemacht. All das nur, um das Internet zu beeindrucken. Chapeau, dass Sie das erkannt haben. Hätte ich gewusst, dass hier Uhrmachersöhne mitlesen, dann hätte ich mir mehr Mühe gegeben und nicht so plump zu fälschen versucht. Ich merke es mir für das nächste Mal.

      Eins müssen Sie mir aber erklären: Die Uhr hat ja, ich erwähnte es oben, kein gewöhnliches Gehäuse mit Werkszugang über die Unterseite, sondern eine Art „Container-Stülpgehäuse“, bei dem man zunächst den oberen Deckel runterhebelt, das Plexiglas abhebt, durch eine kleine Aussparung zwischen Zifferblatt und Gehäuse den Winkelhebel drückt, die Krone samt Aufzugswelle zieht und so das Werk ausschalt. Wie hätte ich das tun sollen, ohne zuvor den Schmodder zu entfernen? Und warum hätte ich dieses Risiko eingehen sollen, wo doch jeder weiß, dass Krümel im Uhrwerk… (bitte ergänzen Sie diesen Satz selbständig, oh Sohn eines Uhrmachers).

  4. Keine Antwort ist auch ’ne Antwort …
    Also dieses Werk fasziniert mich wirklich! War das Uhrwerk selbst noch absolut staubdicht oder war es auch schon angegriffen? Machst Du ins Ultraschallbad nur dest. Wasser oder verwendest Du da irgendwelchen Zusatz (z.B. zur Verringerung der Oberflächenspannung)?
    Viele Grüße, Mario

    • Entschuldigung, ich war eine Weile offline und ertrinke gerade in Spam.

      Werk und Ziffernblatt waren blitzblank und tadellos. Erstaunlich. Und in das Ultraschallbad kommen meist ein paar Tropfen Spüli. Die eigentliche Arbeit erledigt aber die Bürste.

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